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Ameise auf einem dünnen, geschwungenen Ast vor weißem Hintergrund.

Naturfotografie vor der Haustür

Naturfotos entstehen oft im eigenen Garten oder auf dem Balkon - nicht in entlegenen Nationalparks. Profi Jan Piecha verrät, wie einfache Kulissen zur spannenden Bühne für tierische Nachbarn werden.

Text & Fotos: Jan Piecha

Der eigene Garten und Balkon bieten zu jeder Jahreszeit eine erstaunliche Vielfalt an Motiven: vom ersten Krokus des Jahres bis zum Rotkehlchen an der Futterstelle. Hier können Sie Licht, Perspektive und Bildausschnitt in Ruhe erkunden, ohne weite Wege oder großen Aufwand. Lassen Sie sich inspirieren, in Ihrem Garten immer wieder neue Dinge zu entdecken.

Die Wirkung des Lichts

Krokus auf grüner Frühlingswiese.
Diese Aufnahme eines Krokus zeigt ein klassisches Makro bei bedecktem Himmel. Canon EOS 7D | 150mm | 1/80 Sek. | f/3,5 | ISO 400

Jeder Garten ist einzigartig und bietet Fotomöglichkeiten und Lichtsituationen. Da keine weiten Anfahrten nötig sind und die Kamera schnell zur Hand ist, ergibt sich auch die Chance, das Licht ideal zu nutzen und Situationen zu analysieren, um sie am Folgetag zu wiederholen. Das Beispiel der Krokusse zeigt die unterschiedliche Wirkung des Lichts: Die erste Aufnahme entstand bei bedecktem Himmel und erscheint eher trist und matt.

Krokus auf grüner Frühlingswiese.
Sobald der Hintergrund von der Sonne beschienen wird, beginnt das Bild zu strahlen und bekommt einen frühlingshaften Look. Canon EOS 7D | 150mm | 1/160 | f/4 | ISO 400

Bei der zweiten Aufnahme wird der Hintergrund von der Sonne beschienen. Sie zeigt mehr Kontraste und wirkt frischer. Wählen Sie die Einstellungen so, dass der Krokus richtig belichtet ist, ergibt sich durch die unterschiedlichen Helligkeiten der Situation ein strahlender Hintergrund. Dieser verleiht dem Bild mehr Tiefe. Versuchen Sie, die frühen Morgen- und späten Abendstunden zu nutzen, um besondere Lichtstimmungen einzufangen.

Der Sonne entgegen

Gleiches Motiv – andere Bildwirkung

Schmetterling sitzt auf grüner Pflanze.

Himmlischer Diffusor

Die tiefstehende Sonne in den Randzeiten des Tages liefert häufig die stimmungsvollsten Lichtsituationen. Eine dünne Wolkendecke wirkt hingegen wie ein großer Diffusor und sorgt für besonders sanftes Licht, wodurch Bilder sehr gleichmäßig ausgeleuchtet sind. Diese Fotos wirken harmonisch, aber in der Regel eher etwas langweilig.

Schmetterling sitzt auf grüner Pflanze im Gegenlicht.

Charakterstarkes Gegenlicht

Wagen Sie sich an das direkte Gegenlicht: Vor allem mit längeren Brennweiten (EOS R5 | 500mm | 1/1600 Sek. | f/7,1 | ISO 400) können Sie spannende Effekte erzielen. Dabei kann es helfen, das Bild durch eine Belichtungskorrektur in der Kamera etwas heller oder dunkler zu belichten. Beim Smartphone können Sie mit dem Helligkeitsregler experimentieren.

Verwandeln Sie eigene Naturmotive in Galerie-Unikate.

Die Augen offenhalten

Grüne Raupe sitzt im Gebüsch.
Die Raupe eines Schwalbenschwanzes inmitten eines Gemüsebeets. Ein willkommenes Motiv. Canon EOS R5 | 16mm | 1/1000 Sek. | f/5,6 | ISO 500

Für Motive im Makrobereich ist es wichtig, dass im Garten geeignete Strukturen vorhanden sind: Unterschiedliche Pflanzen, Stauden, heimische Blumen oder etwas Laub locken Makromotive, wie Wildbienen oder Hummeln, an.

Halten Sie die Augen offen, um besondere Motive zu entdecken – wie zum Beispiel diese Raupe vom Schwalbenschwanz in einem Gemüsebeet. Als Futterpflanze für seine Raupen bevorzugt dieser Schmetterling die Wilde Möhre. Gelegentlich werden aber auch andere Doldenblütler wie Dill, Fenchel oder Karotten angenommen. So kann sich mitten im Gemüsegarten plötzlich die Chance für ein besonderes Makromotiv ergeben.

Raupe auf grünem Zweig.
Ordnung im Chaos. Als Highkey-Aufnahme gegen den Himmel können auch im Gemüsegarten hübsche Makrofotos entstehen. Canon EOS R5 | 100mm | 1/400 Sek. | f/3,5 | ISO 1250

Den Vögeln eine Bühne bieten

Rotkehlchen an einer Wassertränke im Garten.
Eine mobile Futterstelle oder Tränke im Garten hilft Ihnen, die richtige Umgebung für Ihr Foto zu finden. Probieren Sie verschiedene Positionen aus, bis Sie den besten Bildaufbau gefunden haben. Canon EOS R5 | 16mm | 1/2000 Sek. | f/5,6 | ISO 1250 | Funkauslöser

In erster Linie sollte es für Ihre tierischen Nachbarn hygienisch und sicher sein. Futterstellen und Tränken bieten jedoch zusätzlich auch eine fantastische Bühne zum Fotografieren. Platzieren Sie nach Möglichkeit Äste, die die Vögel zunächst anfliegen können, bevor sie an das Futter gehen. Dadurch entsteht für Sie die Chance, Fotos mit einem natürlichen Aussehen zu machen und nicht nur an der Futtersäule oder im Futterhaus. Überlegen Sie stets, von wo aus Sie fotografieren wollen und platzieren Sie die Futterstelle oder Tränke so, dass Sie einen ruhigen Hintergrund ohne zu viele Kontraste erhalten.

Rotkehlchen sitzt auf schneebedecktem Ast. Rotkehlchen fliegt unter einer Futterstelle im verschneiten Garten.

Anschnitte wagen

Ein Igel in Nahaufnahme, ein Auge und Ohr sind zu sehen.
Durch einen Anschnitt lassen sich Details von Motiven gezielt hervorheben, was zu einer intensiven Bildwirkung führt. EOS R | 150mm | 1/100 Sek. | f/8 | ISO 10.000

Naturfotografie im Garten lebt von wilden, naturbelassenen Ecken, in denen beispielsweise Igel auf Nahrungssuche gehen können. Auch Wasserschalen nehmen sie gerne an. Sie haben in der Abenddämmerung einen tierischen Besucher in Ihrem Garten entdeckt? Dann versuchen Sie sich auch mal an besonderen Anschnitten oder Detailaufnahmen, um einzelne Bereiche hervorzuheben und intime Nahaufnahmen zu kreieren. Natürlich immer, ohne das Tier zu stören.

Wer mit der Kamera vor die Tür geht, schenkt sich Zeit und Ruhe.

Jan Piecha

Auf die Größe kommt es an

Naturbelassener Gartenteich in einer parkähnlichen Anlage. Libelle im Flug

Wasser ist Leben und wo Gartenteiche sind, erscheinen in der Regel auch Wasserinsekten, Amphibien und Libellen. Frösche haben an solchen Orten häufig eine geringere Fluchtdistanz, weil sie die Anwesenheit des Menschen gewohnt sind.

Gartenteiche bieten auch gute Bedingungen, um zum Beispiel Edellibellen im Flug zu fotografieren. Häufig patrouillieren die Männchen über der Wasseroberfläche und verharren dabei immer wieder für einige Sekunden an einer Stelle. Versuchen Sie, die Bewegungen vorherzusehen, um im richtigen Moment den Auslöser zu drücken. So konnte ich auch das Männchen der Blaugrünen Mosaikjungfer fotografieren (EOS R | 400mm | 1/2000 Sek. | f/5,6 | ISO 1000). An kleineren Teichen ist die Trefferquote dabei deutlich höher, da die Tiere häufiger vorbeikommen. An großen Gewässern fliegen sie deutlich größere Strecken ab, weshalb es fast unmöglich ist, sie aus der Nähe zu fotografieren.

Extratipp: Kreative Spielwiese

Alltägliche Motive laden zum Experimentieren ein

Wiese mit Gänseblümchen Frosch verharrt im Wasser.

Der eigene Garten oder Balkon kann Ihre fotografische Spielwiese sein. Alltägliche Motive laden dazu ein, sich frei zu entfalten und herumzuexperimentieren. Lernen Sie die unterschiedlichen Modi Ihrer Kamera kennen und trauen Sie sich mutig an neue Techniken heran. Ein guter Start können diese zwei Stile sein:

Durch Mehrfachbelichtungen werden mehrere Fotos aufeinander belichtet, wodurch sich abstrakte Bilder erzielen lassen. Diesen Effekt habe ich für ein Foto einer Wiese mit Gänseblümchen genutzt.Das Bild setzt sich aus zwei Fotos zusammen: Das erste hatte eine kurze Verschlusszeit. Das zweite Foto hat eine längere, während die Kamera dabei bewegt wurde (EOS R | 57mm | ISO 50). Für das Teichfrosch-Foto mit Doppelbelichtung habe ich mit zwei Objektiven gearbeitet (EOS 5D III | 500mm | ISO 1600).

Krabbelnde Ameise Singvogel sitzt in der Dämmerung auf einem Ast.

Eine weitere Möglichkeit für kreative Effekte: Nutzen Sie längere Verschlusszeiten. Entweder durch Kamerabewegungen oder sich bewegende Motive. Dadurch können Wischeffekte erzeugt werden, die eine malerische Wirkung haben. Bei dem Foto einer Roten Waldameise habe ich eine längere Verschlusszeit gewählt, um die Bewegung des Tiers verschwommen darzustellen (EOS R | 150mm | 1/25 Sek. | f/11 | ISO 6400). Das macht ihr Krabbeln für die Betrachter richtig spürbar. Ein weiteres Beispiel ist dieses verträumte Foto einer Amsel beim abendlichen Gesang (EOS R | 500mm | 1/500 Sek. | f/4 | ISO 1000).

Am Ende zählt nicht das perfekte Bild, sondern der Moment, in dem es entsteht. Wer mit der Kamera vor die Tür geht, schenkt sich Zeit und Ruhe. Die Naturfotografie wird so zu einer kleinen Auszeit zum Durchatmen, Entspannen und Kraftschöpfen. Und wenn man sich dabei in der Fotografie verliert und noch ein Foto dabei herauskommt, das einem selbst gut gefällt – umso schöner.

Ich wünsche Ihnen viel Freude und Erfolg beim Ausprobieren der Fototipps.

Ihr Jan Piecha

Ihre Lieblingsfotos als einzigartige Wandbilder

So verleihen Sie Ihrem Zuhause eine persönliche Note