Sehnsuchtsorte in den Alpen – Fotograf Bernd Ritschel nimmt Sie mit in die Berge

Monatelang immer wieder unterwegs, bei gutem und schlechtem Wetter. Tausende Bilder auf vielen Speicherkarten und unzählige Ideen im Kopf. Denn wenn der eigentliche Job des Fotografen getan ist, ist die Arbeit noch lange nicht vorbei. Für seinen neuesten Bildband „Hütten – Sehnsuchtsorte in den Alpen“ hat Bernd Ritschel über 50 Tage in Hütten verbracht – und hinterher mindestens ebenso viel Zeit mit Bildauswahl, Konzeption und Gestaltung.

 

„Hochformat muss man lernen.“ Bernd Ritschel

Der Bestseller von National Geographic ist mehr als nur ein Bildband: In emotionalen und informativen Texten porträtiert Bernd Ritschel gemeinsam mit dem Redakteur Tom Dauer die schönsten, wichtigsten, bekanntesten und lohnenswertesten Hütten in Bayern, Südtirol, Österreich und der Schweiz. Seinen Bildern merkt man einfach an, dass Ritschel das Thema, die Regionen und das Bergsteigen selbst am Herzen liegen – und natürlich die Fotografie. Seit fast 30 Jahren ist der 53-Jährige mit seiner Fotoausrüstung vor allem in der Natur unterwegs. Oft in der Nähe seiner oberbayrischen Heimat, aber auch auf der ganzen Welt: Ötztal und Kenia, deutsche Mittelgebirge und Chile, Schneeschuhtouren in den Alpen – mehr als zwei Dutzend Bildbände tragen seinen Namen.

 

„Ich fotografiere nicht nur Postkarten.“ Bernd Ritschel 

Schon beim Fotografieren denkt Ritschel laufend an das gewünschte Endergebnis. Ein Beispiel: Um bei der Gestaltung des Buches später flexibel zu sein, reichen ihm nicht nur Querformate – obwohl das bei Landschaftsaufnahmen oft die erste Wahl ist. „Hochformat muss man lernen, sich teilweise dazu zwingen. Denn sonst ist ja alles quer: die Kamera, die Augen, Fernseher …“, sagt Ritschel. „Aber so gestalte ich meine Aufnahmen noch einmal viel bewusster.“ Folglich nimmt er sich die meisten Motive mindestens doppelt vor, denn erst später bei der Gestaltung einen starken Ausschnitt zu wählen, ist seiner Erfahrung nach immer nur zweite Wahl.

Wer mit Bernd Ritschel über seine Arbeit spricht, merkt schnell: Das ist nicht nur ein Job, das ist tatsächlich seine Berufung. Seine Augen leuchten, wenn er von seinen Projekten erzählt, wenn er über die Bilder spricht, die ihm besonders wichtig sind. Über Momente, die er mit der Kamera festhalten konnte. Selten sind das die perfekten Postkartenmotive. Die müssen natürlich auch sein, räumt er ein. Aber einfach aneinandergereiht sei das dann nur eine „bizarre Abfolge, die mit der Realität nichts zu tun hat“. Er schafft gerne bewusst Kontraste. Auf seinen Bildern scheint nicht immer die Sonne und auch der vielleicht „unschöne“ Saharasand auf Schnee gehört in einen Ritschel-Bildband. „Außerdem ist es das besondere Licht, das mich begeistert. Sonst wird Landschaft auf Fotos schnell auch langweilig.“ Neben dem Licht macht der Standpunkt oft den entscheidenden Unterschied.

„Starke Fotos bringen die Kraft ins Buch.“ Bernd Ritschel 

Bei einem Projekt wie dem Hütten-Bildband ist eine gute Vorsortierung der Bilder besonders wichtig: Wie sieht die Hütte von außen aus, wie ihre Umgebung und wie das Wirtshaus? Nicht jedes dieser Fotos kommt ins Buch. Je vollständiger die Bildauswahl allerdings ist, desto leichter tut man sich später bei der Gestaltung.

Eine Schwierigkeit, die man als Fotograf eines großen professionellen Bildbandes hat: Man macht nicht alles selbst – muss sich also in der Vorbereitung viel mehr anstrengen, als wenn man später nur Herr über sein eigenes Chaos werden muss. Für das Hütten-Buch beispielsweise saß die Grafikerin in der Karibik und der Texter auf einem Einödhof in Oberbayern. Umso wichtiger: dass allen der grundsätzliche Aufbau und die Gestaltung des Bildbandes klar ist. Am Anfang der Produktion einigt man sich auf eine Gliederung – das kann zeitlich oder inhaltlich sein. Also zum Beispiel nach Jahreszeiten oder geografisch. Die Hütten sind nach den Alpenländern gegliedert. Jedes Kapitel beginnt gleich – mit einem großen, beeindruckenden Bild, das die ganze Doppelseite füllt. Für jedes Land hat Ritschel eine „Haupthütte“ ausgewählt, der mehrere Seiten gewidmet sind. Es folgen drei bis vier kleinere Hütten, denen Fotograf und Texter etwa nur halb so viel Text einräumen. Am Ende jedes Landes-Kapitels folgen noch einige „weitere Hütten“ mit jeweils einem kleinen Bild und sehr kurzem Text, im Wesentlichen reduziert auf die nützlichen Infos wie Talort, Anfahrt, Höhenmeter oder Kontaktdaten. Eben alles, was der Leser zur Planung braucht.

So ergeben sich dann auch recht schnell aus der Gliederung typische Layoutformen, die den Leser durch das ganze Buch begleiten. „Es wird also nicht jede Seite neu erfunden“, erklärt Ritschel. „Nicht die immer wieder andere Anordnung von Elementen und Bildern bringt die Kraft in ein Buch – sondern die Fotos.“ Es ist eine alte Gestaltungsweisheit, dass auch Kleines groß gedruckt werden darf. Erst durch die Variation wird ein Bildband wirklich gut. „Groß und klein, hell und dunkel, nah dran und weit weg, Tag und Nacht: Nur wer mit diesen Gegensätzen bewusst spielt, dem wird es gelingen, Spannung zu vermitteln und  Eintönigkeit zu vermeiden.

Wichtig ist, dass es dem Publikum gefällt“ Bernd Ritschel 

„Mir ist wichtig, dass es bei einem Bildband nicht um Selbstverwirklichung gehen darf. Wichtig ist, dass das Buch dem Publikum gefällt“, sagt Ritschel. Im Falle seiner Bildbände ist dabei vor allem das Cover wichtig – es hat einen großen Einfluss auf den späteren Verkaufserfolg, weswegen hier auch der Verlag das letzte Wort hat und nicht der Fotograf. Wer selbst entscheiden kann, wie bei einem privaten Fotobuch, „der soll am besten sein Hirn ausschalten“. Das Titelbild ist in Ritschels Augen keine rationale Entscheidung, sondern etwas, das man fühlen muss. „Wo zieht es mich hin? Was ist der magische Moment, an den ich mich besonders gerne erinnere?“ Wenn das Buch nicht nur fürs eigene Regal sein soll, empfiehlt er, etwas rumzuprobieren und sich ein paar andere Meinungen einholen.

 

„Maximal vier Bilder pro Seite.“ Bernd Ritschel

Bei jeder Bildauswahl vergisst man schnell, dass für einen guten Bildband mehr nötig ist als eine Reihe von Eyecatchern und Standard-Postkartenbildern. „Dabei ist es auch egal, ob ich einen Landschaftsbildband mache oder ein Fotobuch über eine Konfirmation“, betont Bernd Ritschel. Was die Detailaufnahme von ein paar Blumen im Sonnenuntergang für das eine Buch, ist im anderen Fall das Close-up der Rüsche an der Bluse. Brauche ich das Bild zwingend? Sicher nicht, aber es ist das, was das Buch am Ende besonders macht. Denn die Standardfotos vom immer gleichen Standpunkt aus und mit der gleichen Standard-Brennweite kann schließlich jeder machen, sogar mit dem Handy.

Bernd Ritschel bei der Arbeit. Foto: Bernd Ritschel

Für den Hütten-Bildband hat Bernd Ritschel dem Verlag gut vorsortierte 2.000 Bilder zur Verfügung gestellt. 200 haben es auf die 200 Seiten geschafft. Die Zahlen zeigen, was auch Ritschels wichtigster Tipp an jeden ist, der ein eigenes Fotobuch gestaltet: Nicht zu viele Bilder auf eine Doppelseite! Mehr als vier macht er nie – und auch das nur, wenn sie perfekt aufeinander abgestimmt sind. Denn: „Je kleiner das Bild gedruckt wird, desto klarer muss das Motiv sein.“

Vita Bernd Ritschel

Bernd Ritschel, geboren 1963, klettert und fotografiert von den Anden bis zu den Alpen, von der Arktis bis Afrika in den Gebirgen der Welt. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher, hatte Ausstellungen in ganz Europa und hält leidenschaftlich gern Vorträge. Weitere Informationen unter www.lightwalk.de

CEWE FOTOBUCH Gestaltungstipps von Bernd Ritschel

Vollflächige Bilder lockern ein Buch zwischendrin immer wieder auf. Oder man reiht fünf davon vor den eigentlichen Kapiteln als Einstieg ins Buch aneinander.

Ritschel_Fotobuch_Doppelseite

Bei der Kombination von Bildern sollte man stets darauf achten, dass sie gut aufeinander abgstimmt sind – inhaltlich und gestalterisch. Einfach, aber wirkungsvoll. 

Ritschel_Fotobuch_Mittel

Mut zum Weißraum nennt Ritschel diese Gestaltung. Ein einfaches Zitat und ein ganzseitiges Bild eigenen sich perfekt für Anfang oder Ende eines Kapitels.

Ritschel_Fotobuch_Zitat

Die ideale Kombination aus großem Bild und Text: Nutzen Sie die Spalte neben dem Bild nur für einekurze Information. Hier alles vollzutexten oder noch mehr Bilder zu platzieren, würde viel zu überladen wirken. 

Ritschel_Fotobuch_grosses Bild
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