Ein Bild von einem Hotel

Hannes Niederkofler hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht: Als ­Tourismusfotograf rückt er Hotels und Urlaubsregionen ins richtige Licht und verschafft Gästen so einen ersten Eindruck von deren Reiseziel. Eine Massage im Wellnessbereich, an der Bar einen Margarita und von dort weiter in die ­Hotelsuite: Was nach einem perfekten Urlaubstag klingt, spiegelt tatsächlich den Arbeits­alltag von Hannes Niederkofler wider. Als Tourismus­fotograf hat sich der Südtiroler auf Hotels spezialisiert und rückt Spa-Oasen, Cocktails und Kingsize-Betten ins richtige Licht.

In der Tourismusbranche kennt sich Hannes Niederkofler aus: Als 15-Jähriger begann er, in Hotels zu jobben. Er arbeitete an der Rezeption, kellnerte im Hotelrestaurant und absolvierte später sogar eine Ausbildung zum Sommelier – stets während der Sommerferien, die in Italien drei Monate dauern. Nach seinem Schulabschluss durchlief er einen Marketinglehrgang und arbeitete anschließend in einer Marketingagentur, erneut im Tourismusbereich.

Einige Jahre darauf weckte der Zufall die Liebe zur Fotografie bei dem Südtiroler. Als der damals 20-Jährige zum ersten Mal eine digitale Spiegelreflexkamera in den Händen hielt, wollte er sie nicht mehr loslassen. Stundenlang fotografierte er alles, was er vor die Linse bekam – Hauptsache, das Motiv hielt still. Er war so begeistert, dass er sich kurz darauf eine eigene Kamera zulegte. Drei Tage lang fotografierte er fast ununter­brochen, abends las er Fachbücher zum Thema Fotografie. Doch dann wurde die Kamera aus seinem Auto gestohlen. „Ich hatte mich bereits in die Fotografie verliebt und dachte, jetzt erst recht!“, erzählt er. Zwei Wochen später kaufte er sich noch einmal das gleiche Nikon-Modell und legte los.

Ein attraktiv gestalteter Außenbereich wie hier der Infinity-Pool lässt sich mit Models ideal in Szene setzen. Foto: Hannes Niederkofler

Ein attraktiv gestalteter Außenbereich wie hier der Infinity-Pool lässt sich mit Models ideal in Szene setzen. Foto: Hannes Niederkofler

Und dann kam die Chance

Zunächst war die Fotografie lediglich ein Hobby, als Marketingberater hatte er einen spannenden Beruf. Doch im Lauf der Zeit erhielt er kleinere Fotoaufträge aus dem Bekanntenkreis, positives Feedback trieb ihn weiter an. Als er sich beruflich verändern wollte, kam das Angebot zur Ausbildung als Berufsfotograf in Nordtirol genau passend. Binnen einer Woche kündigte er seinen Marketing-Job und stürzte sich in die Welt der Fotografen. Parallel zur einjährigen Ausbildung meldete er ein Gewerbe an, um an den Wochenenden Fotoaufträge annehmen zu können.

Für Hannes Niederkofler lag es nahe, sich auf die Tourismus- und Hotelfotografie zu spezialisieren, da er dort auf seine langjährigen Berufserfahrungen sowie auf seine Kontakte in die Branche zurückgreifen konnte. Den Erfolg von Beginn an schreibt er auch seiner Website zu: „Meine Homepage ist meine digitale Visitenkarte“, sagt er. Hier zeigt er Bilder aus seinen Aufträgen, sodass sich potenzielle Kunden schnell einen Überblick über seine Arbeit verschaffen und seine Leistung beurteilen können. Waren es anfangs vor allem kleinere Hotelbetriebe, die ihn für Aufnahmen buchten, arbeitet er mittlerweile vorwiegend für große Hotels und Tourismusverbände im In- und Ausland. „Natürlich bin ich viel in Südtirol unterwegs, aber auch in der Schweiz oder in Deutschland, zum Beispiel für die Romantik-Hotels“, erklärt er.

Das Auge fürs Detail braucht Zeit

Für einen Auftrag nimmt sich der Fotograf viel Zeit, um schließlich ein optimales Bildergebnis in den Händen zu halten. Er will keinen Standard produzieren, stattdessen soll sich der Hotelbetrieb in all seinen Facetten in den Aufnahmen wiederfinden. Für Hannes Niederkofler bedeutet das eine intensive Vorbereitungszeit. Wenn Auftragslage und Terminplan es zulassen, versucht er, mehrere Tage an der Foto-Location zu verbringen: Erst mal nicht, um zu fotografieren, sondern um ein Gefühl für den jeweiligen Hotelbetrieb zu entwickeln. „Die besten Ergebnisse entstehen, wenn ich zwei bis drei Tage vor Ort bin, dort schlafe, dort esse, mich mit den Mitarbeitern unterhalte und so einen Einblick in den Hotelbetrieb erhalte“, erklärt er. „Außerdem habe ich dann mehr Zeit, um Dinge zu sehen, die mir an einem normalen Shooting-Tag gar nicht auffallen würden“, sagt er. Denn meistens sind es kleine Details, die den Fotos Authentizität und Originalität verleihen, wenn zum Beispiel der Kellner abends ein besonderes Outfit trägt, das perfekt zum Betrieb passt.

Das Shooting selbst erstreckt sich über einen ganzen Tag und richtet sich vor allem nach der jeweils herrschenden Lichtsituation. „Die richtige Mischung aus Tageslicht und vorhandenem Raumlicht lässt das Hotelzimmer spannend erscheinen“, erklärt der Fotograf. Sobald ein Raum zu stark oder zu wenig ausgeleuchtet wird, geht das Lichtambiente und damit die Aussagekraft des Fotos verloren. Für authentische Aufnahmen nimmt er deshalb auch einige Stunden Wartezeit in Kauf, bis zum Beispiel die gewünschten Sonnenstrahlen durch die Fenster blitzen und den Raum in angenehmes Licht tauchen.

„Das wichtigste Gestaltungselement in der Hotelfotografie ist das Licht.“ Fotos: Hannes Niederkofler

„Das wichtigste Gestaltungselement in der Hotelfotografie ist das Licht.“ Fotos: Hannes Niederkofler

Die Wirklichkeit abbilden

Tricksereien oder extreme Nachbearbeitungen nimmt Hannes Niederkofler bei seinen Aufnahmen nicht vor. Stattdessen versucht er, dass das Bild schon möglichst perfekt aus der Kamera kommt. Letztlich sollen Niederkoflers Bilder nicht nur gut aussehen, sondern den Betrachter auch emotional berühren. Neben der passenden Ausleuchtung achtet er deshalb auf ansprechende Perspektiven und einen strukturierten Bildaufbau. „Der Betrachter soll sich direkt ins Bild hineinversetzen können und wünschen, am abgebildeten Ort zu sein“, sagt er. Zwar kommt es vor, dass er störende Bildelemente wie einen Rauchmelder oder einen Feuerlöscher aus dem Foto retuschiert, doch von deutlicheren Veränderungen hält er nichts. „Das Bild sieht am Ende fast genauso aus, wie das Hotelzimmer in Wirklichkeit ist“, erklärt er. Den größten Einfluss auf die Bildwirkung habe das Licht, außerdem fotografiere er immer aus einer Perspektive, die die wenigsten Gäste beim Betreten eines Hotelzimmers einnehmen. „Aus der Standposition fotografiere ich fast gar nicht, stattdessen knie ich während eines Shootings die meis­te Zeit hinter der Kamera“, schmunzelt er. Dadurch wirkt ein Raum sofort luftiger und höher.

Doch bei manchen Locations stößt selbst der erfahrene Profi an seine Grenzen: „Ein Hotel war so extrem schön, dass meine Bilder einfach nicht an die Wirklichkeit herankamen.“ Das Zusammenspiel vieler Details vor Ort, wie Farben und Duft der Pflanzen, die umgebende Landschaft oder die Struktur des verwendeten Holzes, ließen sich nur schwer im Bild festhalten. Doch Hannes Niederkofler hat auch bei diesem Hotel alles gegeben und die Gäste dürfen sich freuen. Denn auf sie wartet ein Hotel, das noch schöner ist, als es die ohnehin traumhaften Bilder versprechen.

3 Tipps vom Profi

Auch ohne teures Equipment gelingen Ihnen mit dem Smartphone oder der Digitalkamera schöne Fotos von Ihrem Hotel.

  1. Im Freien fotografieren Sie am besten, wenn es leicht bewölkt ist, sodass keine harten Schatten entstehen. Am frühen Morgen oder abends sorgt die tiefstehende Sonne für eine dramatische Bildwirkung.
  2. Um in Innenräumen korrekt zu belichten, sollten Sie nicht gegen das Fenster fotografieren. Richten Sie die Kamera so aus, dass das Licht seitlich auf das Motiv fällt.

  3. Halten Sie Ihre Kamera möglichst gerade, sodass die Linien des Raumes im Bild exakt ausgerichtet sind. Dadurch wirkt die Aufnahme besonders edel.

 


Hotelfotograf Hannes Niederkofler

Hannes Niederkofler hat seine Ausbildung zum Berufsfotografen in Nordtirol absolviert. Sein Fachgebiet ist die Hotel- und Tourismusfotografie. Privat geht er gern wandern und segeln, die Kamera hat er natürlich immer im Gepäck.

Weitere Informationen: www.hannesniederkofler.com


 

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