Blick zurück in meine Kindheit und eine Ode an das greifbare Foto

Liebe Leser & Leserinnen, das seltsame an Erinnerungen ist, dass man nach langer Zeit eigentlich gar nicht mehr weiß, ob es sich wirklich um eine echte Rückblende handelt oder ob unser menschliches Gehirn uns wunderbare Geschichten erzählt, die vielleicht ganz genau so doch nicht stattgefunden haben. Aber wen kümmert es, wenn es schöne Reminiszenzen sind? Wen kümmert es, wenn unser Gedächtnis uns den liebevollen Streich spielt, die Vergangenheit manchmal durch die rosarote Erinnerungsbrille zu betrachten? Wissen Sie, was ich meine?

Ich finde ja: Besonders deutlich zeigt sich diese ganz besondere Art der Magie, wenn wir ein real greifbares Foto in der Hand halten. Je verblichener und unperfekter es ist, desto größer der Zauber. Wir tauchen ein in Momente, die längst vergangen sind und malen diese Augenblicke in nostalgischen Farben – auch in unserem Gedächtnis.

Bloggerin Nicole Hildebrandt von Luzia Pimpinella.com
Die Seele von www.luziapimpinella.com: Bloggerin Nicole Hildebrandt.
Familienurlaub im Kinderparadies: Einmal ein Lego-Auto selbst fahren.
Familienurlaub im Kinderparadies: Einmal ein Lego-Auto selbst fahren. Foto: Nic Hildebrandt

Das wurde mir ganz besonders bewusst, als mir meine Mutter vor einer Weile einen kleinen Stapel Fotoabzüge zum Geschenk machte. Es waren nicht irgendwelche Fotos, sondern Relikte meiner eigenen Kindheit. Eingefangene Erinnerungen an unsere kleinen Urlaube an der Ostsee, Besuche im damaligen Legoland in Sierksdorf oder Sommerfeste in meinem Kindergarten. Für mich hatte sie die Original-Fotografien, die sie natürlich auch gern selbst behalten wollte, eingescannt und als Duplikat-Fotoabzüge entwickeln lassen.

Etwas verschwommen sind sie und – ganz typisch für die 70 Jahre und ihre „Ritsch-Ratsch“ Pocket-Kamera – im quadratischen Format. Die Vintage-Farben kann man heute bei digitalen Fotos mit Filtern imitieren… aber hier sind sie echt. Die Bildausschnitte sind alles andere als perfekt. Die Menschen sind zu klein, der Hintergrund zu raumgreifend – ästhetische Regeln der Fotografie, die heute längst verinnerlicht sind, waren damals völlig belanglos. Was zählte, war doch der Moment!

Und das ist auch irgendwie gut so. Denn seien wir doch mal ehrlich, seitdem die digitale Bilderflut unser Leben, ja sogar unseren Alltag bestimmt, ist das einzelne Foto irgendwie zur inflationären Ware geworden. Es wird weggeklickt, es wird weiter gescrollt, es ist fast austauschbar. Aber diese immer mehr beschleunigte Betrachtungsweise eines Bildes verändert sich sofort und auf zauberhafte Weise mit dem „echten“ Foto, das wir in der Hand halten. Wir halten inne, wir entschleunigen, wir tauchen ein.

Das Sommerfest in meinem Kindergarten 1976: Seeluft macht pommeshungrig - damals war Zigarettenwerbung auf dem Tisch noch so okay wie die das Blümchenmuster der Tischdecke. Foto: Nic Hildebrandt
Das Sommerfest in meinem Kindergarten 1976: Seeluft macht pommeshungrig - damals war Zigarettenwerbung auf dem Tisch noch so okay wie die das Blümchenmuster der Tischdecke. Foto: Nic Hildebrandt

Es hat eben doch noch einen ganz besonderen Zauber, ein greifbares Papier-Foto in der Hand zu fühlen oder durch ein ganz altmodisches Fotoalbum zu blättern. Seit mir meine Mutter diese ganz besonderen Kindheitsfotos geschenkt hat, versuche ich mich selbst immer wieder daran zu erinnern.

Denn als Bloggerin ist meine Welt natürlich eigentlich das digitale Bild. Fotos für den Blog, Fotos für Instagram und Facebook, für all meine Social-Media-Kanäle und ganz schnell geteilt mit der halben Welt. Seit Jahren schieße ich Tausende von digitalen Bildern, habe aber ganz oft keinen einzigen Fotoabzug davon. Manchmal, in einem ruhigen Moment, vermisse ich es dann eben doch, hier und da mal ein analoges Foto in der Hand zu halten. Ich sollte das wieder öfter tun.

Einen weiteren Moment, an dem ich genau das dachte, erlebte ich neulich bei einer Reise. Ich besuchte das Fotografie-Museum von Port Louis, der Hauptstadt der Insel Mauritius. Der Besitzer war ein alter, charismatischer Mann, ein leidenschaftlicher Fotograf und Bewahrer der analogen Fotografie. Er fragte: „Erinnern Sie sich noch an die Zeit, wo man auf Fotos warten musste? Dann wissen Sie noch: Die Wartezeit für ein Foto war magisch!“.

Ein Blick in meine persönlichen Foto-Schätze – Erinnerungen an meine Kindheit.
Ein Blick in meine persönlichen Foto-Schätze – Erinnerungen an meine Kindheit. Foto: Nic Hildebrandt

Ich war ein bisschen traurig, dass wir dieses Gefühl heute nicht mehr haben. Denn selbst wenn wir auf die Entwicklung von Fotos warten, wissen wir meist schon, was da kommen wird.

Wir haben die Bilder ja schon auf dem Display oder am PC-Bildschirm gesehen. Und dennoch… ein kleines bisschen Magie ist geblieben. In dem Moment, wo wir ein Bild auf Fotopapier zum ersten Mal in der Hand halten und betrachten. Und nicht nur beim ersten Blick, sondern auch später immer wieder, wenn wir es hervorholen, um ein bisschen in Erinnerungen zu schwelgen.

Das greifbare Foto ist wie eine Aufforderung zum Innehalten und zum Zurückblicken. Foto: Nic Hildebrandt
Das greifbare Foto ist wie eine Aufforderung zum Innehalten und zum Zurückblicken. Foto: Nic Hildebrandt

Und wann haben Sie das letzte Mal ein echtes, greifbares Foto in den Händen gehalten? Eines, das Sie entschleunigt und Erinnerungen an vergangene Momente zurückholt? Versuchen Sie es doch mal wieder. Der Zauber wirkt.

Herzlichst,

Ihre Nic

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