Ein Plädoyer für das Foto

Was ist ein Foto heute noch wert? Diese Frage habe ich mir bei meinem heutigen Rundgang über die photokina immer wieder gestellt. Hersteller protzen mit hochgerüsteten Kameras, die über unglaubliche Auflösungen verfügen. In einem normalen Portrait so weit hineinzuzoomen, dass selbst ungeliebte Körperstellen großformatig abgebildet werden können? Kein Problem. Für jede Lebenssituation gibt es inzwischen Kamera-Modelle, die jede Sekunde in abertausenden Fotos festhalten. Besucher verschwinden hinter ihren Smartphone-Bildschirmen, drücken im Sekundentakt auf ihren Auslöser und nehmen das Erlebte nur noch im Nachhinein wahr. Das Foto degradiert sich selbst zur Massenware und glänzt mit Beliebigkeit.


Masse statt Klasse

Sicherlich sind wir hier auf der weltweit größten Fachmesse für Fotografie und auch wir profitieren von der unbegrenzten Möglichkeit der digitalen Welt. Doch ist es wirklich wichtig, jede noch so belanglose Situation mit unseren Smartphones und Kameras abzulichten und auf Festplatten zu speichern? Um sie dann nach einmaligem Betrachten in der Bedeutungslosigkeit verschwinden zu lassen?

Auf der menschlichen Festplatte eingebrannt

Der Wert eines Fotos definiert sich meiner Meinung nach nicht über die größtmögliche Auswahl an Bildern ein und desselben Motivs, aus dem ich auch noch – durch eine enorm hohe Auflösung – Ausschnitte wählen kann, um die erlebte Situation in allen Perspektiven zu konservieren. Das Foto hat für mich nicht die Funktion einen ganzen Tag, ein ganzes Jahr oder ein ganzes Leben in Gänze zu dokumentieren. Vielmehr ermöglicht doch ein fotografisch festgehaltener Moment, sich zu erinnern. An Geschichten und Situationen, die wir tatsächlich erlebt haben. Die auf unserer menschlichen Festplatte eingebrannt sind. Die verbunden sind mit Gerüchen und Emotionen.

Fotos rufen Erinnerungen wach 

Dabei geht es mir nicht um die Verteufelung moderner Technik und deren Möglichkeiten – ganz im Gegenteil. Nutzen wir die Chancen, die sie uns bietet. Es ist wunderbar, dass wir heute mit dem Smartphone immer und überall ein Gerät bei uns tragen, mit dem wir zu jeder Zeit die schönsten Momente einfach festhalten können. Aber vergessen wir nicht, diese im erlebten Augenblick mit allen Sinnen zu genießen.

Nur so wird das Foto wieder zu dem, was es einmal war, ein Bild, das Erinnerungen wach ruft, an die besonderen Situation unseres Lebens. Ich habe mich deshalb dazu entschieden in unserem letzten Frankreich-Urlaub die Kamera und das Smartphone einmal bewusst wegzulegen. Glauben Sie mir, das CEWE FOTOBUCH dieser Reise war wie ein erneuter Urlaub an die unvergleichliche Côte d’Azur und die unverwechselbaren Farben und Gerüche des Lavendels in der Haute-Provence. Ich liebe Frankreich.

Ihr CEWE Chefredakteur

Patrick Rembe

CEWE ist während der photokina 2016 in Halle 4.2 zu finden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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