Fotobuch Gestaltung – Regeln für das Layout

SPECIAL FOTOBUCH GESTALTUNG Teil 1 – Regeln für das Seitenlayout

 

Fotobuch Cover mit Seitenlayout

Ohne ein stimmiges Seitenlayout können die besten Fotos keine besondere Wirkung entfalten. Hintergründe, Rahmen und Texte müssen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen. Was es dabei zu beachten gilt, behandelt der zweite Teil unserer Anleitung zum idealen Fotobuch.

Bereits im ersten Teil unserer Serie mit Tipps zur Fotobuchgestaltung am Beispiel der CEWE FOTOBUCH Software konnten wir zeigen , dass der Fotograf durchaus selber als Gestalter tätig werden darf. Er kann seine gelungensten Bilder am besten auswählen und kennt in der Regel auch die wichtigsten Grundlagen einer optimalen Bildgestaltung, etwa das Raster des Goldenen Schnitts. Dieses lässt sich ideal zur Aufteilung einer ansprechenden Fotobuchseite aufnehmen. Dazu gleich mehr. In der vergangenen Ausgabe haben wir uns bereits grundsätzlich mit den unterschiedlichen Buchformaten und dem generellen Aufbau eines Fotobuchs beschäftigt: mit der Titelgestaltung, dem Einsatz geeigneter Themenschriften, Seitenfarben, dem Einfügen von Zwischenkapiteln und Textseiten . Hier zur Erinnerung eine der wichtigsten Prämissen: Ein Fotobuch sollte wie jedes Buch eine Geschichte erzählen, hier eben hauptsächlich mit Bildern. Damit hat man einen Leitfaden für die Gestaltung der Seiten zwischen den Buchdeckeln.

Der goldene Schnitt im Fotobuch Seitenlayout

Der Goldene Schnitt teilt eine Strecke derart, dass die ganze Strecke sich zur größeren Teilstrecke so verhält, wie diese sich zur kleineren Teilstrecke. In der Praxis erhalten wir so ein Rechteck, das sich im Verhältnis 1/3 zu 2/3 in ein Rechteck und ein Quadrat aufteilen lässt. In der Grafik ist zum Bund hin nochmals geteilt worden. Jetzt stehen alle grauen Flächen als Rechtecke in diesen Proportionen zur Verfügung. Gedachter Leitfaden sind die roten Linien.

Und an dieser Stelle nochmals einige Worte zur Vorbereitung der Bilddaten. Aus eigener positiver Erfahrung hatten wir die Einbindung des Adobe RGB Farbraums empfohlen. Nach Recherchen CEWE COLOR muss diese Aussage korrigiert werden, da im dortigen Workflow ein Adobe RGB-Profil bei der Konvertierung in den Druckfarbraum CMYK gelegentlich Grünstiche verursachen kann (die Betonung liegt auf „kann „). CEWE arbeitet am sichersten mit Bilddaten, denen ein sRGB-Profil eingebettet ist. Wenn man also seine Bilddaten normalerweise mit einem anderen Profil versieht, in der Regel Adobe RGB, eciRGB v2 oder ProPhoto RGB, empfiehlt sich vor der Einbindung dieser Dateien in ein Fotobuch die Umwandlung in ein sRGB-Profil. Zu beacllten ist hier wirklich die „Umwandlung“, denn die Profil-Option von Photoshop „Zuweisung“ erzeugt eine Verblassung der Farbbrillanz! Umwandlung erhält hingegen den Farbeindruck weitgehend.

Fotobuch Doppelseite mit Fotos und Text

Regeln für das Seitenlayout – Wirkung erzeugen mit einfachen Tricks

Ebenfalls im Hinterkopf behalten sollte man die Gestaltungsregel „weniger ist meist mehr“. Denn die Versuchung ist oftmals groß, alle von der Fotobuchsoftware gebotenen Möglichkeiten der Gestaltung oder der Layoutvorlagen in nur einem Buch anwenden zu wollen. Besser nicht, ein Fotobuch braucht ruhiges Layout, das den Bildern ihren gebührenden Platz lässt und es so zur optimalen Wirkung beim Betrachter bringt. Und ruhig ist nicht gleichzusetzen mit langweilig, wie unsere Beispiele zeigen. Natürlich brauchen unterschiedliche Themen (Hochzeit, Veranstaltung, Reise, Firmenporträt, Bildarchiv, Eigenwerbung) unterschiedliche Darstellungen, keine Frage. Etliche Regeln für die Gestaltung gelten allerdings unabhängig vom Thema. Mit diesen beschäftigen wir hin uns in dieser Folge.

Bildanordnung im Fotobuchprojekt erzeugen unterschiedlicher Wirkung.

Auf beiden Seiten die gleiche Bildanordnung und trotzdem eine völlig andere Wirkung. Die Blickrichtung der Bilder sollte bewusst (siehe rechte Seite) gewählt werden.

Ein Raster für die Fläche

Bereits die klassische Malerei kannte bestimmte Gestaltungsregeln bei der Flächenaufteilung, die besonders harmonisch auf Betrachter wirken – auch die Fotografie profitiert davon und die Gestaltung von Buchseiten ebenso. Wir haben deshalb anhand einer Doppelseite einmal das Prinzip des „Goldenen Schnitts“ grafisch verdeutlicht. Es gilt gleichermaßen für Hoch-, Quer- oder Quadratformat. Man erhält damit harmonisch wirkende Seitenränder, die am unteren Rand Platz für einen schlanken Bildtext und, falls benötigt, eine Seitennummerierung anbieten. In der grauen Hintergrundfläche lassen sich auch mehrere Fotos und Texte kombinieren, die roten Linien bieten immer wieder einen geeigneten „Andockpunkt“ zum Erhalt der idealen Proportionen, etwa wenn das Foto ein anderes Seitenverhältnis aufweist.

Wer aus Geschmacksgründen seine Fotos lieber die ganze Seite füllen lässt, hat keine Ränder zu beachten, sondern braucht Bildformate, die zum Buchformat passen. Bei nicht über die komplette Doppelseite verlaufende Fotos ist zu beachten, dass linke wie rechte Seite sowohl vom Layout, dem Motiv wie auch vom Bildaufbau her harmonieren . Bildaufbau meint hier, dass beispielsweise bestimmte Linien, Flächen und Fluchtpunkte beim Platzieren der Fotos zueinander passen.

Platzierung, Schriften und Rahmen

Abgesehen vom Buchformat und dem grundsätzlichen Buchaufbau (siehe Teil 1) muss man sich für einen bestimmten Gestaltungsstil der Seiten entscheiden, der sicherlich auch vom Thema bestimmt wird. Wer ganz schlicht gestalten will im Sinne eines Bildbands oder einer edlen Eigenwerbung, kann großzügig stets nur die rechte Seite mit einem Foto gestalten, die linke bleibt frei und enthält vielleicht noch eine dezente Bildlegende. Das Foto kann wahlweise mit breitem Passepartout (freie Seitenflächen) oder im vollen Seitenformat gesetzt werden. Bei großen Buchformaten sind auch mehrere Fotos auf einer Seite vorstellbar. Eine solche „einseitige“ Buchgestaltung hat den Vorteil , dass man beim Layout nicht auf die jeweils gegenüberliegende Seite Rücksicht nehmen muss. Ist nämlich das Buch aufgeschlagen, sind schließlich stets zwei Seiten im Blickfeld, da sollte der Gesamteindruck von Bildverteilung und Bildinhalten dieser Doppelseiten zusammenpassen. Doppelseite meint hier nicht, dass sich ein Foto auch zwingend über beide Seiten erstreckt. Dies ist nur eine zusätzliche Möglichkeit, die durch den kleinen Motivverlust im Bund engen es oft ein und wiederum ihre eigenen Probleme bereiten kann.

Bedingt das Buchthema ein Inhaltsverzeichnis, wird man um Seitenzahlen nicht herum kommen. Die meisten Softwareprodukte ermöglichen auf Wunsch eine automatische Generierung der Seitenzahlen, ebenso können Schrifttype, Größe und Farbe sowie die Platzierung gewählt werden. Leicht zu finden sind die Seitenzahlen , wenn sie am unteren Seitenrand entweder zentriert oder eher klassisch links-, bzw. rechtsbündig gesetzt werden. Die Schriftgröße sollte besser klein, die Schrift schlicht und gut lesbar und keinesfalls fett gesetzt sein, also eher wie die „Neue Helvetica Light“ wirken. Wichtig für eine gute Lesbarkeit ist auch die Schriftfarbe (in der Regel Schwarz oder Dunkelgrau), wenn das Fotobuch nicht nur weiße Seitenuntergründe bietet. Möglich ist es aber, bei andersfarbigen Seiten die Farbe der Seitenzahl gezielt zu verändern. Auf bestimmten Seiten, etwa für eine Zwischenkapitelseite oder bei ganzseitig platzierten Fotos können Seitenzahlen störend wirken, sie lassen sich dann aber löschen, ohne dass die Nummerierung dadurch durcheinander gerät.

Auch kann ein kurzer Text zu jedem Bild, eine Bildunterschrift also, je nach Thema notwendig sein. In manchen Fällen reicht ein längerer Text zur Einleitung am Buchanfang oder bei jedem Zwischenkapitel aus, etwa bei einem Reisebuch. Die Notwendigkeit von direkten Bildunterschriften muss man selbst entscheiden. Wie bei den Seitenzahlen sollten auch die Bildunterschriften eher klein, aber gut lesbar ausfallen. Ordnet man den Text unter dem Foto zentriert an, entsteht ein harmonischer Eindruck. Die Schriftfarbe lässt sich natürlich passend zur Seitenfarbe wählen in Bezug auf Lesbarkeit und Farbharmonie.

Brauchen Fotos Bildränder? Teils eine Frage des Geschmacks, teils eine Frage des Motivs. Mit einer ganz dünnen Haarlinie in Schwarz kann man kaum etwas falsch machen.

Besonders bei hellen Fotos bekommt das Foto damit mehr Präsenz. Zu breite Ränder in kräftigen Farben wirken aufdringlich, ein Schattenwurf kann gelegentlich passend sein, sollte aber nicht grundsätzlich zur Anwendung kommen. Andererseits kann ein breiter weißer Rand das Foto vom gemusterten Seitenuntergrund trennen und dem Bild so wieder zu seiner Bedeutung verhelfen. Ebenso denkbar das weiße Umfeld eines typischen Polaroids oder der gezackte Barytrand vergangener Zeiten: dort wo dieser Büttenrand passt, kann er gut wirken.

Mustergültige Hintergründe

Weiße Seiten, schwarze Seiten, bunte Seiten oder gar gemusterte Seiten – alles ist möglich, selbst ein Foto als Hintergrund. Aber auch hier sollte man nicht ohne klares Konzept für das gesamte Buch vorgehen. Beginnen wir mit den Farben. Man kann das ganze Buch mit klassisch weißen Seiten anlegen oder auch mit schwarzen. Letztere erhöhen meist die Brillanzwirkung der Bilder. Merkwürdigerweise fehlt oft im Angebot der Software ein neutraler Grauton als Seitenfarbe, eine Gestaltungsmöglichkeit, die wir gerne einsetzen würden. Wie das einfach zu realisieren ist, zeigen wir im Infokasten. Relativ dezent lassen sich bunte Seitenfarben einsetzen, wenn sie sich (falls vorhanden) auf die Zwischenkapitelseiten, die ein neu es Thema ankündigen, beschränken. Natürlich ist auch eine lockere Verteilung über das gesamte Buch denkbar, nur dürfte eine ständig wechselnde Seitenfarbe beim Umblättern etwas unruhig wirken. Da die Seitenfarbe mit den Farben der darauf platzierten Bilder harmonieren muss, ist es praktisch , sich bei der Auswahl nach einer in den Bildern dominierenden Farbe zu richten. Zarte, gedämpfte Farben stehen nicht in Konkurrenz zu den Bildern. Von einem dominanten Untergrund würde der Betrachter nur abgelenkt werden.

Ein Foto als Hintergrund sollte ein ruhiges Motiv ohne zu viele Details und Farben enthalten. Oft empfiehlt es sich, dessen Farben etwas zu entsättigen und heller als üblich zu halten, also die Brillanz zu vermindern. Und es muss natürlich thematisch zu den darüber platzierten Bildern passen.

Ebenso als Gestaltungselement einsetzbar sind gemusterte Untergründe, wie sie denn auch reichlich von der Software zur Verfügung gestellt werden. Auch hier gilt wieder, dass unruhige, kräftige Muster die Bildwirkung nachteilig beeinflussen, weil sie vom Motiv ablenken oder irritieren. Andererseits können Muster oder ein Hintergrundbild bei bestimmten Themen (wie Veranstaltung oder Firmenporträt) nur auf einigen Seiten passend eingesetzt, die Gestaltung positiv beleben.

Tipps für besondere Effekte

Wer eine bestimmte Seitenfarbe wie Grau verwenden oder eine dominierende Farbe aus dem darauf zu platzierenden Foto genau nachempfinden möchte, kann dies leicht mit einem kleinen Ausflug in ein Bildbearbeitungsprogramm wie Photoshop erreichen.

Als erstes legt man ein neues Bild in passender Größe zum Fotobuch und mit 300 dpi Auflösung an. Dann mit dem Befehl „Fläche füllen“ die gewünschte Farbe in gewünschter Deckung aufrufen. Zuvor kann man mit der Pipette aus dem Bild seine Wunschfarbe als Hintergrundfarbe bestimmen und diese dann für die Fläche auswählen. Außer Farben stellt Photoshop auch verschiedene Muster zur Auswahl , mit denen man ebenfalls die Fläche füllen kann. Dabei ist es meist sinnvoll, die Deckung auf Werte um 50% zu reduzieren, um eine zu große Dichte und damit Präsenz des daraus entstehenden Hintergrunds zu vermeiden. Speichert man das so geschaffene neue „Bild“ als lPEG-Datei ab, kann man diese in der Software auf eine Seite ziehen und als Hintergrund definieren. So entstand auch unser Beispiel einer Doppelseite in 25% Grauton.

 

Der besondere Effekt - Text auf halbtransparentem Hintergrund im Fotobuch Seitenlayout

 

Man legt eine Seite im passenden Format an, platziert darauf das gewünschte Foto und legt darüber an der Stelle für den Text eine transparente Fläche. Dann exportiert man die Seite als JPEG-Datei und zieht diese wie ein Foto auf die gewünschte Seite im Buch. Mit der Software kann dann der Text auf die transparente Fläche gesetzt werden. Würde man den Text bereits in Indesign einfügen, wird die Schrift meist nicht erstklassig gedruckt.

Autor: Dieter Beckhusen

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