Unterwasserfotografie – Die farbenfrohe Welt unter dem Meeresspiegel

Unterwasserfotograf Tobias Zimmer Foto: Tobias Zimmer

Foto: Tobias Zimmer

Tobias Zimmer ist Unterwasser- und Landschaftsfotograf aus Leidenschaft. Der Diplom-Ingenieur für Fotografie und Medientechnik reist drei bis viermal im Jahr an die abgelegensten Orte der Welt, um dort Land, Leute und insbesondere die Unterwasserwelt zu fotografieren. CEWE hat sich mit dem Wahl-Kölner getroffen. Dabei konnten wir dem Profi Zimmer auch Tipps zum Thema Unterwasserfotografie entlocken.

1. CEWE: Herr Zimmer, wie sind Sie zur Fotografie und besonders zur Unterwasserfotografie gekommen?

Tobias Zimmer: Mein Vater war mein großes Vorbild. Seit ich denken kann, hat er leidenschaftlich gerne fotografiert und mich mit seiner Begeisterung für Fotografie mitgerissen. Mit 21 Jahren habe mir dann meine erste eigene Kamera gekauft und bin während meines Zivildienstes viel gereist. Auf den Reisen habe ich alle Eindrücke auf Fotos festgehalten. Durch ein Praktikum in einer Videoproduktionsfirma bin ich auf die Idee gekommen, Fotoingenieurwesen & Medientechnik zu studieren. In meiner Diplomarbeit wollte ich etwas Spannendes und Besonderes machen und habe sie somit über die Unterwasserfotografie geschrieben. Für den praktischen Teil meiner Diplomarbeit ging ich für ein Jahr nach Thailand. Um genügend Taucherfahrung zu bekommen, arbeitete ich zusätzlich als Tauchlehrer.

2. Warum ist es so besonders wichtig gut tauchen zu können, wenn ich unter Wasser fotografieren möchte?

Das Fotografieren unter Wasser ist mit dem an Land nicht zu vergleichen. An der Luft muss ich mir keine Gedanken um meine Atmung machen oder überlegen, wo ich mich abstützen oder festhalten kann. Im Wasser kommen neben dem Fotografieren noch viele Kleinigkeiten hinzu, die ein Laie kaum berücksichtigen kann. Um gute Fotos zu bekommen, benötigt der Fotograf seine gesamte Konzentration für das Motiv. Am besten sollte er sich unter Wasser genauso sicher fühlen und verhalten wie an Land. Eine wichtige Grundfähigkeit, die jeder Taucher zum Fotografieren erlernen sollte, ist im neutralen Gleichgewicht im Wasser zu sein. Das ist anfangs oftmals schwierig und erfordert volle Konzentration. In dieser Situation eine Kamera dabeizuhaben, um Fotos zu machen, kann gefährlich werden. Auch wenn man nur eine kleine wasserdichte Kamera mitnimmt, geht man immer das Risiko ein, sich oder die Natur zu gefährden. Gerade Korallen sind sehr empfindlich und teilweise giftig. Sollte man aus Unachtsamkeit ins Straucheln geraten und mit der eigenen Schwimmflosse dort hinein geraten, sind schnell 15 Jahre Wachstum verloren, weil man die Koralle beschädigt hat. Ich rate jedem, erst einmal Routine beim Tauchen zu bekommen und erst dann mit dem Fotografieren unter Wasser zu beginnen.

Viele bunte Fische tummeln sich in Riffen Foto: Tobias Zimmer

Durch einen Blitz sind die viele bunte Fische, die sich im Riff  tummeln gut zu erkennen Foto: Tobias Zimmer

3. Darf man unter Wasser mit Blitz fotografieren? 

Ein Blitz ist sogar sehr wichtig bei der Unterwasserfotografie. Schon bei einer Tiefe von fünf Metern erscheinen die ersten Farben blasser. Das Wasser hat eine höhere Dichte als Luft und spaltet das Licht schneller in seine Spektralfarben auf. Das führt dazu, dass nach fünf Metern die Farbe Rot bereits nur noch zu 70 Prozent sichtbar ist. Je tiefer man abtaucht, desto trister erscheint dem menschlichen Auge die Unterwasserwelt. Und das, obwohl Korallenriffe alles andere als trist und farblos sind. Um die Farben für die Fotos wieder sichtbar zu machen, benötigen wir einen Blitz.

4. Können Sie uns ein paar allgemeine Tipps für Einsteiger und geübte Taucher geben?

Wie bereits erwähnt entstehen die besten Bilder, wenn man bereits gut tauchen und sich somit voll auf das Motiv konzentrieren kann. Dennoch können auch Einsteigern schöne Fotos gelingen. Das richtige Equipment hat insbesondere bei der Unterwasserfotografie starken Einfluss auf das Bildergebnis. Wer jedoch erst einmal testen möchte, ob dieser Bereich der Fotografie etwas für ihn ist, kann mit einer günstigen Unterwasserkamera seine ersten Gehversuche unternehmen. Auch auf Schnorchel-Trips können schöne Bilder entstehen.

Hier ein paar nützliche Tipps für einen gelungenen Einstieg:

  • Tauchen Sie zu Beginn nicht zu tief, um die Farbvielfalt der Fische ohne spezielle Ausrüstung aufnehmen zu können
  • Passen Sie Ihr Equipment Ihrem Können an
  • Haben Sie keine Scheu, den Blitz zu benutzen. Hilfreich ist auch ein externer Blitz für die Hand
  • Nehmen Sie sich Zeit und beobachten Sie Ihre Umgebung, um das perfekte Motiv zu entdecken
  • Gehen Sie respektvoll mit der Natur und den Tieren um. Gerade Korallenriffe sind sehr empfindlich und sterben auch auf Grund der Unachtsamkeit von Tauchern immer mehr aus
  • Tauchen Sie niemals alleine
  • Pflegen und prüfen Sie Ihr Equipment, bevor Sie auf Tauchgang gehen
  • Nutzen Sie kleine Helferlein wie Auftriebskörper für die Kamera, die Ihnen das Tragen und vor allem Stillhalten beim Fokussieren erleichtern

Beherrschen Sie alle Grundregeln des Tauchens und fühlen sich unter Wasser wohl, dann habe ich diese Tipps für Sie:

  • Interne Blitze, die das Motiv nur frontal beleuchten, erzeugen auf Grund der Partikel im Wasser ein unklares Bild. Löst man den Blitz aus der Achse heraus (separater Arm), gewinnt das Bild mehr Klarheit
  • Gehen Sie ebenso respektvoll mit der Umwelt um
  • Verweilen Sie: Ein Korallenriff steckt voller Leben. Ständig passiert etwas. Die Chance, dass etwas richtig Spektakuläres vor der Linse passiert, ist größer, wenn man sich länger an einem Ort aufhält. Ein gutes Foto erfordert viel Konzentration und Geduld. Aber es lohnt sich.
  • Benutzen Sie unterschiedliche Objektive: Makros eignen sich für kleine Fische, Weitwinkel für große Szenarien (Fischschwärme, Riff-Szenen und Ähnliches)
  • Stets gilt: Seien Sie nah am Geschehen
  • Pflegen und prüfen Sie Ihr Equipment bevor Sie auf Tauchgang gehen

Wir hoffen Sie mit den wunderschönen Fotos und Tipps von Tobias Zimmer inspiriert zu haben und wünschen Ihnen viel Freude beim Ausprobieren. Vielleicht schmücken Ihre ersten Unterwasseraufnahmen bereits ihr nächstes CEWE FOTOBUCH.

Aus dem Alltag eines Profis Wir stehen in einer paradiesischen Lagune mit Blick auf sonnenbeschienene, mit Palmen bewachsende grüne Hänge, weiße Sandstrände und türkises Wasser. Unser Blick schweift über das kristallklare Meer zurück auf den Strand, in der Ferne, zwischen den Palmen am Strand sind einige Holzhütten zu erkennen. Im Meer schwimmen bunte Fische und ein Seestern lässt sich von den Wellen treiben. Doch wir sind nicht allein in der Lagune. Genau vor unseren Füßen schwimmt friedlich ein kleines Schwarzspitzenhai-Baby.  Und klick, klick, klick ist das perfekte Foto im Kasten.
Die Welt unter dem Meeresspiegel ist für viele ein faszinierender und unwirklicher Ort zugleich. Mit seinen Aufnahmen begeistert Tobias Zimmer für die atemberaubende Schönheit der Unterwasserwelt.
Halb über und halb unter Wasser, eine ganz besondere Art der Fotografie Foto: Tobias Zimmer

Halb über und halb unter Wasser, eine ganz besondere Art der Fotografie Foto: Tobias Zimmer

5. Doch wie entstehen spektakuläre Aufnahmen wie das Bild mit dem Schwarzspitzenhai? Ist es nicht gefährlich so nah neben einem Hai zu schwimmen? Und wie gelingt es, ein Bild zu machen, welches sowohl die Welt unter als auch die über dem Meeresspiegel zeigt?

Tobias Zimmer:Haie sind sehr scheue Tiere und nehmen für gewöhnlich immer Reißaus. Vor allem wenn es sich um Jungtiere handelt. Erwachsene Haie sind auch scheu können aber auch mal etwas näher an den Taucher herankommen. Es sind sehr faszinierende und schöne Geschöpfe, die leider einen sehr üblen Ruf haben.
Für dieses Bild mussten wir den Hai extra anlocken, damit er sich mir überhaupt so dicht nähert. Bilder halb über- und halb unter Wasser sind mit einem Einsteiger-Kit für Unterwasserfotografie fast nicht möglich. Dafür benötigt man einen sogenannten möglichst großen Port. Ein Port ist eine Art Halbkugel, die vor das Objektiv geschraubt wird. Dadurch können Wasserschwankungen leichter ausgeglichen werden, da die Linsenfläche künstlich vergrößert wird. Zusätzlich bedarf es bei diesen Aufnahmen einer intensiven Nachbearbeitung, da der Lichtkontrast zwischen den Elementen Wasser und Luft sehr stark ist. Unter Wasser ist deutlich weniger Licht vorhanden.

Wenn man sich mit Tobias Zimmer über das Tauchen und die Unterwasserfotografie unterhält, spürt man die Leidenschaft für seinen Beruf und bekommt sofort Lust es selbst auszuprobieren. Zimmers Places to be als Taucher und Unterwasserfotograf sind entfernte Inselgruppen in Indonesien, Galapagos oder die Kokos-Inseln. Tauchanfänger kommen in Ägypten schon voll auf ihre Kosten.

2 comments

  1. N

    die Bilder erinnern mich an meine ersten Tauchabenteuer auf den Malediven vor 20 Jahren. Einfach super.

  2. N

    Danke für Ihren Besuch! Freundliche Grüße, Nico Lindner

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