Mit beiden Augen sieht man besser

Ein Kurztrip in eine fremde Stadt wie Dubai – ideal, um einfach mal raus zu kommen und fotografisch neue Erlebnisse festzuhalten. Auch als „fotografierender Chefredakteur“ des Fachmagazins PHOTO PRESSE braucht man ab und zu neue Impulse. Aber welche Kamera nimmt man am besten mit? Das kleine, leichte, unscheinbare Immer-dabei-Smartphone oder die große, leistungsstarke DSLR-Kamera? Ich habe den Test gemacht und bin in die boomende Wüstenstadt geflogen. Mit einem Apple iPhone 5s und einer Canon EOS 6D im Gepäck – und der Frage: Taugt das Smartphone nur als Gelegenheits-Kamera oder ist es ein ernst zu nehmender Ersatz für ein DSLR-Modell? Auf diese Frage habe ich interessante Antworten bekommen.

Der Test beginnt

10.000 Meter Flughöhe, Fensterplatz auf der rechten Flugzeugseite. Ich bin unterwegs von Frankfurt nach Dubai. Unter mir wabert ein weißes Wolkenmeer – das plötzlich aufreißt und den Blick freigibt auf die noch vom Schnee bedeckten österreichischen Alpen. In wenigen Sekunden ist das Smartphone gezückt und das Bild aufgenommen. Die DSLR-Kamera? Die schlummert im Reisegepäck tief unten im Bauch der Boeing 777. Und ich bekomme eine erste wichtige Erkenntnis in der „Kamera-Frage“: Es gibt zahlreiche Situationen, da hat man einfach nur sein Smartphone zur Hand. Dementsprechend stellt sich in diesen Fällen lediglich die Frage, ob man mit dem Smartphone eine Aufnahme des Motivs macht – oder eben nicht. So oder gar nicht. Das muss heutzutage in Sachen Bildqualität aber kein fauler Kompromiss sein: Es ist erstaunlich, wie gut das Fotohandy beispielsweise die Luftaufnahme gemeistert hat. Ich bin gespannt, wie der Vergleich weitergeht.

Das Smartphone: allzeit bereit

Ich selbst bin noch nicht ganz in Dubai angekommen – die Smartphone-Fotografie dagegen schon: Auf der Fahrt vom internationalen Flughafen in die Innenstadt komme ich an einer Werbefläche mit zwei riesigen Fotos vorbei. Zwischen den beiden Bildern steht die kurze, alles erklärende Botschaft: Shot on iPhone 6. Die Smartphone-Fotografie scheint in neue Dimensionen vorzudringen. Es ist jedenfalls das perfekte Begrüßungsszenario für mich und meine Mission.

Bei Aufnahmen für die man sich Zeit nehmen kann, erkennt man das Potential der DSLR

Bei Aufnahmen für die man sich Zeit nehmen kann, erkennt man das Potential der DSLR

Die DSLR trumpft auf

In Dubai gelandet heißt es vor allem: Kopf hoch. Denn Dutzende und Aberdutzende hoher und höchster Gebäude geben der Boomtown in den Vereinigten Emiraten ihre unverwechselbare Skyline – und mir die ersten Motive, die den Blick und die Kameras nach oben lenken. Ich stehe in der Dubai Marina, wo nahe bei den Hochhäusern eine Luxusjacht neben der nächsten liegt. Die ersten Motive springen ins Auge: Brennweite leicht weitwinklig, Vordergrund in die Bildgestaltung einfließen lassen – bei diesen Standards funktionieren Smartphone und DSLR erwartungsgemäß etwa gleich gut bei deutlich höherer Bildauflösung zugunsten der großen Kamera. Jetzt spielt sie (und vor allem das Objektiv) ihre Stärken aus: Ein schmaler, in sich verdrehter Wolkenkratzer wirkt durch Abstraktion besonders interessant – und das gelingt nur mit einem optischen Zoomobjektiv, das tatsächlich vergrößert und nicht nur wie beim Smartphone einen Ausschnitt zuungunsten der Bildqualität bietet. Die zweite Erkenntnis: In Sachen ausgefallener Bildgestaltung funktioniert eine DSLR dank optischem Sucher präziser und dank optischem Zoom wird die deutlich bessere Bildqualität geliefert.

Unter erschwerten Bedingungen

Architektur von unten fotografieren kann ja jeder, denke ich mir, und fahre auf den Burj Khalifa, mit 828 Metern das höchste Gebäude der Welt. Mit rasender Geschwindigkeit werde ich per Aufzug in den 124sten Stock katapultiert. Oben auf der Aussichtsplattform genieße ich den Blick auf den Stadtstaat Dubai, auch wenn das Wetter leicht diesig ist. Für den Kameratest ist dies aber durchaus kein Nachteil, da die beiden Kandidaten auch unter diesen Bedingungen zeigen sollen, was sie drauf haben. Mit beiden Probanden schieße ich Aufnahmen mit etwa gleichem Bildausschnitt. Auf dem jeweiligen Monitor ist mit bloßem Auge kaum ein Unterschied festzustellen – und das ist für das Smartphone bereits ein gewaltiger Erfolg. Immerhin konkurriert hier ein fotooptisches Präzisionsinstrument in Form einer DSLR-Kamera mit 20,2-MB-Sensor gegen ein winziges Kameramodul mit 8-MB-Auflösung in einem Multifunktionswerkzeug namens Smartphone. Die spätere Betrachtung am Bildschirm des Computers zeigt: Ja, die DSLR-Bilder sind etwas schärfer und detailreicher. Aber auch ja, das iPhone 5s macht seine Sache ungewöhnlich gut, vor allem dank der intelligenten Software in der Kamera. Was zur dritten Erkenntnis führt: Durch den größeren und leistungsstärkeren Sensor hat in Sachen Auflösung die DSLR die Nase vorn – aber wesentlich weniger deutlich, als wir vorher vermutet hatten.

Willkommen im Luxus

Neben dem Burj Khalifa liegt eine weitere Weltsensation: Mit fast 1.300 Geschäften ist die Dubai Mall das größte Einkaufsparadies der Welt. Die Ausmaße sind so riesig, dass sich kaufwillige und konsumfreudige Menschen auf den weiten Strecken innerhalb des Gebäudes mit Elektrotaxis chauffieren lassen. Dies und einiges mehr liefert interessante Motive wie einen Wasserfall mit Springer-Modellen, die sich kopfüber in das schäumende Nass stürzen, ein riesiges Fischbecken oder eben unzählige Luxusgeschäfte – ein klarer Fall für das iPhone, um unauffällig zu bleiben. An einer Wand des Gebäudes finde ich ein Gemälde mit allerlei bunten Motiven – ideal für einen weiteren direkten Vergleich zwischen den beiden Kandidaten bei fast identischem Bildausschnitt und keinen Korrekturen an den Aufnahmeparametern. Das Ergebnis verblüfft, vor allem mal wieder die Leistung der Apple-Kamera auch unter ungünstigen Lichtbedingungen.

Welches Bild wurde mit dem Smartphone aufgenommen und welches mit der DSLR Kamera? (links: Smartphone, rechts DSLR) Foto: Heinen

Welches Bild wurde mit dem Smartphone aufgenommen und welches mit der DSLR Kamera? (links: Smartphone, rechts DSLR) Foto: Heinen

Erstaunliche Ergebnisse

Ein weiterer empfehlenswerter Hotspot in Dubai ist das Aquarium auf der künstlichen Insel Jumeirah, die vor wenigen Jahren in Form einer Palme ins Meer gebaut wurde. Ich nutze das Unterwasser-Spektakel für einen weiteren Praxistest: Was taugen beide Kameras in Automatikstellung, wenn extreme Belichtungsbedingungen vorherrschen? Ideales Testgelände ist dafür ein Becken mit hellen, fast durchsichtigen Quallen vor dunkelblauem, fast schwarzem Hintergrund. Belichtungskompensation und andere Tricks zur Überlistung schwieriger Motive lasse ich bewusst außen vor – ich will wissen, was die Automatiken draufhaben. Die Blicke auf den Monitor beziehungsweise den Sucher zeigen schon mal starke Bildausschnitte. Diese sind, so attraktiv sie auch sind, nicht die eigentliche Sensation, sondern vielmehr, dass das iPhone in Automatikstellung gleichwertig gut belichtete Aufnahmen liefert. Ich verneige mich im Geiste vor den Entwicklern der Apple Bildverarbeitungssoftware – o.k., ich senke auch deshalb den Kopf, weil ich beim Austritt aus dem Aquarium vom gleißenden Tageslicht geblendet werde und in meiner Tasche nach der Sonnenbrille wühle.

Nur bei genauer Betrachtung ist hier ein Unterschied auszumachen (links Smartphone, rechts DSLR) Foto: Heinen

Nur bei genauer Betrachtung ist hier ein Unterschied auszumachen (links Smartphone, rechts DSLR) Foto: Heinen

Zurück nach Dubai Downtown fahre ich mit der Monorail, ein automatisch fahrender Einschienen-Zug. Ein letzter Blick auf das Hotel Atlantis und das Aquarium vom Zug aus – und schon sehe ich neue Motive wie Arbeiter auf einer Baustelle, die wie aus einer Miniaturwelt entsprungen erscheinen oder ein Ausschnitt des Strandes, auf dem ein Paar bildgestalterisch wirksam spazieren geht. Diese Motive wiederum kann man nur mit der DSLR-Kamera und einem entsprechenden Teleobjektiv in hoher Qualität fotografieren, alleine schon, weil hier die für eine scharfe Abbildung notwendigen kurzen Belichtungszeiten wählbar sind.

Manchmal muss es schnell gehen

Jetzt aber genug von Beton und Stahl. Der Tag neigt sich dem Ende entgegen und ich fahre raus in die Wüste. Auf dem Weg zu den Sanddünen begegne ich einer Gruppe von Renn-Kamelen – starke Motive, bei denen das iPhone (mal wieder) einfach schneller am Start ist als die große DSLR, die windgeschützt in der Fototasche liegt. Hätte ich das Smartphone nicht dabei gehabt, wären die Aufnahmen nie entstanden: Diesen unbedingten Vorteil kann man nicht oft genug wiederholen. Ich fahre weiter hinein in die Wüste. Der Himmel ist bedeckt, es kommt Wind auf, der den Sand vor sich hertreibt. Kontraste sind praktisch keine mehr vorhanden, dafür fließende Form- und Farbübergänge. Jetzt müssen die Sensoren und Bildverarbeitungsprogramme zeigen, was sie können. Wiederum bin ich weniger darüber erstaunt, dass die DSLR am Ende das etwas bessere Ergebnis abliefert, sondern vielmehr darüber, was das iPhone auch bei solchen – aus fotografischer Sicht – Extremsituationen an Bildqualität liefert.

Das Tageslicht ist der Nacht gewichen und ich habe mich in einem Wüstenlager eingefunden. Nachdem die Kehle mit Wasser und Softdrinks vom Staub der Fahrt befreit ist, sehe ich mich im Lager nach Motiven um. Um die einheimischen Menschen nicht durch die Anwesenheit einer großen Kamera zu verschrecken, nutze ich bewusst ausschließlich das iPhone für illuminierte Architekturbilder, beleuchtete Stillleben und für Porträts von Wüstensöhnen und Kamelen. Von den Ergebnissen bin ich ein weiteres Mal positiv überrascht. Sie geben vor allem die Stimmung in dem nächtlichen Lager wunderbar differenziert wieder. Die Bilder überzeugen durch guten Kontrastausgleich, deutlich sichtbare Durchzeichnung der Lichter und insgesamt optimale Belichtungen bei reduziertem Bildrauschen. Hier stellt sich wiederum nicht die Frage, ob das mit der Canon EOS besser gegangen wäre (wäre es), sondern dass einige der Bilder ausschließlich mit dem iPhone aufgenommen werden konnten.

Bildergalerie: Das Smartphone ist immer zur Stelle und überzeugt mit intelligenter Qualität.

And the winner is..

Auf der nächtlichen Rückfahrt ins Hotel denke ich über die Ergebnisse meines Kamera-Systemtests „Smartphone versus DSLR-Kamera“ nach und ziehe ein Fazit: Wer tatsächlich vor der Frage steht, ob er seinen Urlaub mit dem Smartphone oder mit der Fotokamera fotografisch begleiten soll, dem rate ich zum Smartphone, da es das universellere Gerät ist (mal ganz abgesehen von Bilder-Sharing und Co.). Die Bildqualität ist dank ausgeklügelter Software mittlerweile ausreichend gut – wobei ich da nicht für alle Smartphones sprechen kann. Für alle anderen Reisenden mit fotografischen Ambitionen gilt: Unbedingt sowohl Smartphone als auch „richtige“ Kamera mitnehmen. Denn: Mit dem Smartphone gelingen Fotos, die man ohne das Gerät erst gar nicht aufnehmen würde. Aber in Sachen Bildqualität auf der einen und gestalterischem Potenzial auf der anderen Seite bietet die DSLR dann eben doch die bessere Leistung auf allen Ebenen. Da stellt sich dann eher die Frage, ob es so ein Zwei-Kilo-Bolide aus der DSLR-Fraktion sein muss oder ob es doch lieber eine deutlich leichtere und qualitativ ebenbürtige Lösung in Form einer spiegellosen Systemkamera sein kann.

Die technischen und bauartbedingten Vor- und Nachteile liegen jenseits der bereits genannten Faktoren nach diesem Praxistest ebenfalls auf der Hand: Das Smartphone bietet vor allem die direkte Anbindung durch sofortige Kommunikation in die jeweiligen Netzwerke, den größeren Monitor und die ausgefeilten Automatikfunktionen. Rein fototechnisch hat die Kamera vor allem durch ihr optisches Zoomobjektiv (Motivdetails ohne Qualitätsverlust nah ran holen – das Smartphone nimmt nur Ausschnitte, deren Qualität mit der Stärke des Zoomens drastisch abnimmt), durch ihre fotografischen Parameter wie wählbare Verschlusszeit und Blende, durch den größeren Sensor, den stärkeren Blitz und die umfangreicheren Spezialeinstellungen die Nase vorn.

Wie dem auch sei, Fotokamera und Smartphone ergänzen sich auf einer Städtereise perfekt, sie sind sozusagen Geschwister mit unterschiedlichen Stärken. Für optimale fotografische Ergebnisse stellt sich die Frage „entweder oder“ nicht und wird durch die Lösung „sowohl als auch“ ersetzt. Da Smartphone und DSLR-Kamera qualitativ – zumindest in kleineren Formaten – in etwa der gleichen Liga spielen, lässt sich mit Fotos aus beiden Bildquellen ein attraktives, umfassendes CEWE FOTOBUCH gestalten, ohne dass für den Betrachter Qualitätsunterschiede sichtbar sind. Das ist, neben den begeisternden Motiven in Dubai, die eigentliche Sensation und wichtigste Erkenntnis dieses Städte-Kurztrips.

Smartphone oder DSLR-Kamera? Die Fakten im Überblick

Smartphone:
  • klein, leicht, immer dabei
  • besonders schnappschussgeeignet, unauffällig
  • ausreichend gute Bildqualität durch intelligente Software
  • großes Display ermöglicht gute Bildgestaltung

DSLR-Kamera:

  • groß, schwer, auffällig
  • perfekte Bildgestaltung durch optischen Sucher
  • höchstes kreatives Potenzial durch Wechselobjektive
  • beste Bildqualität durch leistungsstarken Sensor
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