Der frühe Vogel fängt den Wurm

Lesen Sie heute Teil zwei unserer kleinen Serie zum ZEIT REISEN Wettbewerb. André Koschinowski ist leidenschaftlicher Hobby-Fotograf und liebt es mit seiner Frau zu Reisen. Seine Lieblingsmotive – Landschaften. Mit seinem Motiv „Marken Lighthouse“ kam André Koschinowski beim letztjährigen Wettbewerb unter die besten zehn von insgesamt über 12.000 Einsendungen.

CEWE: Herr Koschinowski wie ist das Bild entstanden?

André Koschinowski: Das Bild „Marken Lighthouse“ ist während fünftägigen Tour, mit meiner Frau, in den Niederlanden entstanden. Für unsere Touren bereiten wir uns immer ein wenig vor, das heißt wir überlegen vorab, wohin wir fahren und welche Orte wir besuchen wollen. Mit Hilfe des Internets werden dann sowohl eine mögliche Route als auch die interessantesten Orte erarbeitet. Grundsätzlich favorisiere ich Landschaften am Meer, Schwerpunkte bilden zeitlose, romantische, Sehnsucht auslösende Motive. Damit nehmen Bilder von Leuchttürmen in meiner fotografischen Arbeit eine wichtige Stellung ein.

Was bedeutet das Bild für Sie?

Das Bild bedeutet für mich zunächst einmal ein einprägsames Erlebnis, in meinem vierten Fotografenjahr. Morgens dort am Leuchtturm „Paard van Marken“ in Stille und Einsamkeit den neuen Tag zu erleben, ist bereits ohne Foto ein wunderschönes Naturerlebnis gewesen. Zum Leuchtturm Marken gelangt man entweder im Rahmen eines vierzigminütigen Fußmarsches oder per Fahrrad. Um vier Uhr morgens sah die Wetterlage nicht nach einem vielversprechenden Tag aus, vielmehr war der Himmel zugezogen und es bildeten sich schwere Wolken. Als Landschaftsfotograf lernt man geduldig zu sein, da gute Bilder nur aus außergewöhnlichen Lichtsituationen heraus entstehen. Und so war es auch hier. Zum Morgengrauen wechselte das Wetter. Ein wunderbares Morgenlicht gepaart mit am Himmel vorbeiziehenden Wolken, einem leichten Sturm sowie den dazugehörigen, hereinrollenden Wellen bildeten die Kulisse für das dann entstandene Foto. Der sehr starke Motivkontrast einschließlich der erforderlichen Belichtungszeit für das Festhalten der Wellenbewegung, war dann nur noch handwerklich sauber mit der Kamera auszuführen. 

Was gefällt Ihnen an Ihrem Bild besonders gut?

Mir gefällt an dem Bild die ruhige, ja einsame Stimmung. Ein Leuchtturm am – vielmehr  im Meer wird durch die aufgehende Sonne mit warmen Licht beschienen und trotzt Wind, Wetter und den Gezeiten. Mit Hilfe der Bildelemente Deich, den Wellenbändern, der Wolkenbewegung sowie den Wellenbrechern aus Stein ist es mir gelungen neben meiner Stimmung einen dreidimensionalen Bildeindruck zum zentralen Motiv des Leuchtturms in umgebender Landschaft zu vermitteln. Abschließend freue ich mich über die Auswahl des Bildes sehr. Es gibt weltweit natürlich phantastische Landschaften und Reisedestinationen mit atemberaubender Naturkulisse, aber hier hat die Jury das Bild eines Ortes ausgewählt, den jeder Deutsche in unmittelbarer Nähe selbst aufsuchen und selbst fotografieren kann. Dafür bin ich der Jury sehr dankbar. Die Auswahl bestätigt auch, dass man keine teuren Reisen unternehmen muss, um beeindruckende Reisefotos mit nach Hause nehmen zu können.

Wie beschreiben Sie die schönsten Momente Ihrer Reise?

Unsere fünftägige Reise durch die Niederlande hatte das Ziel neben einem Kurzurlaub auch typische touristische Ziele in Holland aufzusuchen. Als Orte hatten wir während unserer Planung neben der Stadt Marken auch die Städte Kinderdijk sowie Zaandam ausgewählt. Die bekanntesten Windmühlen der Niederlande stehen am Kinderdijk, rund 15 Kilometer südlich von Rotterdam. Die neunzehn noch gut erhaltenen Mühlen stammen aus dem 18. Jahrhundert und wurden von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Zaandam ist eine Gemeinde in der Provinz Nordholland und liegt sechs Kilometer nordwestlich von Amsterdam am Fluß Zaan. Die Region um Zaandam gilt als das erste Industriegebiet Europas. Diese Zeit kann auf der Zaanse Schans und dem Zaans Museum, einem Freilichtmuseum über das dörfliche Leben im 19. Jahrhundert, nachempfunden werden. Die Zaanse Schans gehört auch zur Europäischen Route der Industriekultur.

Wie sind Sie zur Fotografie gekommen?

Vor vier Jahren habe ich das erste Mal in meinem Leben eine eigene Kamera in den Händen gehalten und kann mir Heute nicht mehr vorstellen, wie es ohne Kamera gewesen ist. Seit meiner Schulzeit hat mich Kunst und Gestaltung sehr interessiert und die Fotografie ermöglicht mir die Reaktivierung meiner kreativen Sinne.

Was bedeutet für Sie Fotografie?

Fotografie bedeutet für mich Landschaftsfotografie als Lebensphilosophie. Damit zielt meine Herangehensweise zur Fotografie nicht nur auf das Produzieren von Bildern ab. Die Entdeckung mir vorher unbekannter Orte, die Erlebnisse mit Freunden, das Herangehen an persönliche Grenzen. Die absolute Konzentration auf etwas Suchendes und das Finden von etwas Unerwartetem sind dabei ebenso wichtig und erfüllen mich zutiefst. Gute Landschaftsbilder entstehen durch Emotion für das Motiv, die Kompositionsleistung des Fotografen sowie das vorhandene, natürliche Licht. Trotz umfangreicher Planung weiß man nie, was einem geschenkt wird. 

Nennen Sie uns Ihre fünf schönsten fotografischen Momente.

Landschaftsfotografie als Lebensphilosophie zielt nicht unbedingt nach Superlativen, aber das Erleben in der Natur ist zu einem wichtigen Ausgleich zum Berufsalltag geworden. Ich glaube fest, dass wir Menschen der Natur verbunden sind und uns im tiefsten Innern nach ihr sehnen. Morgens um 5 Uhr in aller Stille am Meer stehen und den neuen Tag zu erleben ist für mich pure Lebensfreude. Landschaftsfotografie erdet und rückt die wichtigen Dinge ins rechte Licht. Nach einer langen Schlechtwetterperiode einen Moment zu erleben, an dem das Wetter umschlägt und die Landschaft zur goldenen Stunde in magisches Licht getaucht wird, hat etwas Erhabenes, ja Göttliches an sich. Naturphänomene wie beispielsweise Polarlichter in einer eisigen Nacht mit Freunden auf den Lofoten zu erleben gehört sicherlich zu meinen bisher prägendsten Erfahrungen.

Welche Tipps haben Sie für Einsteiger in das Thema Fotografie?

Ich bin fest davon überzeugt, dass jedem Einsteiger mit der Zeit auch großartige Fotos gelingen können. Voraussetzung dafür sind vor allem die Leidenschaft, der Durchhaltewillen und der Spaß an der Fotografie. Versuchen Sie keine Bilder von Anderen nach zu fotografieren. Wählen Sie nur Motive aus, die in Ihnen Emotionen auslösen. Bei der Landschaftsfotografie folgen Sie stets dem natürlichen Licht! Das hier von der Jury ausgewählte Motiv ermutigt dazu, vor der eigenen Haustür zu beginnen und abschließend: Schlechtes Wetter ist gutes Wetter!

 

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